viernes, 12 de agosto de 2016

»Über die Alternative zu Krieg spricht keiner mehr«

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Gedenken an die Opfer des Atomangriffs auf Hiroshima und Nagasaki an der Weltfriedensglocke in Berlin. Gespräch mit Bernd MewesInterview: Claudia Wrobel

Bernd Mewes ist Vorsitzender der Friedensglockengesellschaft Berlin e. V.

Nacht der Kerzen: Freitag, 5. August, 21 Uhr

Läuten der Weltfriedensglocke: Sonnabend, 6. August, 8.15 Uhr. Beide Gedenkveranstaltungen finden jeweils an der Weltfriedensglocke Berlin im Volkspark Friedrichshain (Großer Teich) stattSie gedenken alljährlich an der Weltfriedensglocke Berlin im Volkspark Friedrichshain der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945. Wie kam es dazu, dass Sie sich dort engagieren?

Wir sind Anwohner und Nutzer des Parks. Mitte der 1990er ist uns dabei das Denkmal Weltfriedensglocke Berlin aufgefallen, das wir zuvor gar nicht richtig wahrgenommen hatten. Das sah damals schlimm aus. Also haben wir uns erst mal getroffen und es geputzt und uns mit der Geschichte der Friedensglocken beschäftigt. Den symbolischen Wert, das Gedenken an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki, wollten wir in die Gegenwart holen. Die atomare Gefahr ist ja durchaus immer noch präsent. Unser Ansatz war und ist dabei, ins Bewusstsein zu rufen, dass der Frieden nicht durch atomare Waffen bedroht sein darf – durch andere natürlich auch nicht.

Wie ist denn die Geschichte der Weltfriedensglocken?

Die Weltfriedensglocken wurden insgesamt an 23 Städte gestiftet. Die erste als Geschenk des japanischen Volks an den Sitz der Vereinten Nationen in New York, USA. Der Initiator, ein Überlebender des Atomwaffenangriffs auf Hiroshima, gründete dann eine Gesellschaft und spendete die Denkmäler an Städte, die sich in besonderer Weise um den Frieden verdient machen. Die Berliner Glocke wurde im September 1989 im Ostberliner Friedrichshain eingeweiht, gleichzeitig mit einer Weltfriedensglocke in Warschau.

Ihre erste öffentliche Gedenkveranstaltung organisierten Sie am 6. August 2000. Wie schnell kamen Sie dabei auch mit anderen Akteuren der Friedensbewegung in Kontakt?

Wir merkten, dass wir allein nicht über einen familiären Rahmen hinauskommen und haben einen Verein gegründet, damit uns überhaupt jemand zur Kenntnis nimmt. Sehr bald wurde uns klar, dass es gut wäre, sich Leute mit ins Boot zu holen, die schon mehr Erfahrung in der Friedensbewegung mitbringen und auch schon einen Namen haben. Zuerst gingen wir auf das Deutsch-Japanische-Friedensforum zu, die ja auch ganz eng mit den »Mayors for Peace« (Bürgermeister für den Frieden, jW) verbunden sind. Bei denen wiederum spielt die Frage nach einer atomwaffenfreien Welt eine große Rolle. 2004 holten wir dann die IPPNW und den Deutschen Friedensrat mit dazu. Mittlerweile ist das Bündnis, das das Gedenken organisiert, sogar noch größer.

Engagieren Sie sich über den 6. August hinaus in der Friedensbewegung?

Nur an dem Tag etwas vermitteln zu wollen ist zu kurz gegriffen. Sich mit der Frage » Krieg und Frieden« auseinanderzusetzen, das muss man ja schon Kindern und Jugendlichen vermitteln. Deshalb machen wir am 1. Juni, dem Internationalen Kindertag, Aktionen, die sie ansprechen. Es geht uns dabei nicht um die großen Debatten, sondern darum, erst mal ins Gespräch zu kommen. Wir treten an Schulen heran mit der Bitte, wenn bei ihnen die Bundeswehr – meist einen ganzen Tag – auftreten kann, wollen wir zumindest eine Doppelstunde für den Frieden geben dürfen. Wer wird denn heutzutage noch mit Frieden konfrontiert? Es geht nur noch um militärische Aufrüstung, Terrorbekämpfung etc., aber über die Alternative spricht keiner mehr.

In der Nacht vom 5. zum 6. August laden Sie außerdem zur »Nacht der Kerzen« ein. Was hat es damit auf sich?

So wollen wir mit Besuchern des Parks in Kontakt treten, die sich vielleicht mit dieser Sache noch gar nicht befasst haben, denn die Lichter fallen natürlich auf. Wir wollen aber auch ein Zeichen für das Leben setzen. Alle Menschen, die am 6. August 1945 mit einem Schlag in Hiroshima umgebracht wurden, hatten am Tag davor noch Wünsche, Hoffnungen und Pläne. Es ist uns ganz wichtig, dass man neben allem theoretischen Verstehen auch emotional erfassen muss, welche Katastrophe uns bevorsteht, wenn in einer kriegerischen Auseinandersetzung Atomwaffen eingesetzt werden. Es geht hier um unsere Existenz.



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