sábado, 24 de diciembre de 2016

Deutschland ist nicht im Krieg (Süddeutsche Zeitung)

Am Breitscheidplatz hat ein Mörder gewütet, kein Gotteskrieger, Freiheitskämpfer oder Widerständler gegen das System. Wer dennoch vom "Kriegszustand" faselt, der folgt der Logik der Terroristen.

Kommentar von Kurt Kister

Schlimme Zeiten bringen oft das Gute in vielen Menschen zum Vorschein. Man sieht das jetzt wieder in Berlin, wo es nicht nur Gemeinschaftsgefühl in Trauer und eine Welle der Hilfsbereitschaft gibt, sondern wo auch Polizei, Rettungskräfte, Feuerwehr und andere Helfer die schrecklichen Folgen der terroristischen Amokfahrt gelindert haben.

Dass in der Hektik des Geschehens auch Fehlentscheidungen getroffen, dass vielleicht auch Nichtbeteiligte verhaftet werden, ist kaum vermeidbar. Dies spricht nicht gegen die Polizei, zumal dann nicht, wenn die Zweifel und Ungewissheiten alsbald deutlich gemacht werden. Gerade in einem Zeitalter, in dem so viele so schnell ihre persönlichen Gewissheiten herumzwitschern und ihre Eindrücke für die Realität halten, ist die klare Benennung dessen, was man eben nicht weiß, sehr wichtig.


Leider bringen schlimme Zeiten auch das Schlechte in manchen Menschen zum Vorschein. Das wird zum Beispiel daran erkennbar, dass etliche, noch bevor das Blut getrocknet ist, den Mord an anderen Menschen politisch zu instrumentalisieren versuchen. Da gibt es jene Extremisten, die nahezu gewohnheitsmäßig von "Merkels Toten" schreien. Aber es sind eben auch Leute wie der saarländische CDU-Innenminister Klaus Bouillon, der erst mal vom "Kriegszustand" faselt, bevor er selbst erkennt, dass es zwischen dem Terrorismus in Berlin und dem Massentöten in Aleppo Unterschiede gibt.

Terroristen sind üble Verbrecher, aber das Land ist nicht im Krieg

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Gerade das Verwischen dieser Unterschiede kommt den Terroristen zupass. Sie nämlich, zumeist narzisstische Einzeltäter oder Angehörige von parallelweltlichen Kleinstgruppen, wähnen sich in einem Krieg gegen den Westen oder, im Falle der Nazi-Terroristen vom NSU, gegen die Überfremdung. Sie versuchen mit solchen Hirngespinsten ihr blutiges Tun zu legitimieren, das nichts weiter ist als eine Ansammlung schwerster Verbrechen.

Wer aber Verbrecher als Kombattanten sieht, wer von Krieg redet, der folgt ihrer Logik. Früher wollten die Terroristen der RAF Guerilleros oder Kriegsgefangene sein; heute reden Fanatiker anderer Couleur so. Dem darf man nicht nachgeben - weder als Politiker noch als Bürger. Am Breitscheidplatz hat ein Mörder gewütet, kein Gotteskrieger, Freiheitskämpfer oder Widerständler gegen das System.


HÄNDE WEG VON SYRIEN


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